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Tag 1

Von der Idee zum eigenen Web

Die meisten Leser dieses Buches werden sicherlich schon über ihr eigenes Web im Internet verfügen und sich für einen Webeditor ihrer Wahl entschieden haben. Wenn dem so ist, dann wollen wir daran gar nichts ändern. Ziel dieses Buches ist es, Sie mit den grundlegenden Techniken des dynamischen Web Publishing vertraut zu machen und Sie mit interessanten Tipps und (möglichst) kompletten Lösungen zur Ausgestaltung und Verbesserung Ihres Webs zu versorgen - und nicht Ihnen vorzuschreiben, welchen Webeditor Sie verwenden, welche Webtools Sie nutzen und auf welchen Server Sie veröffentlichen sollen. Anders ausgedrückt: Die hier vorgestellten Technologien sind unabhängig von irgendwelchen Webeditoren und weitgehend unabhängig vom verwendeten Webserver (der allerdings unter Umständen entsprechend konfiguriert sein muss, siehe Abschnitt 1.4 und Hinweise in den entsprechenden Kapiteln).

Da es aber auch zweifelsohne Leser geben wird, für die dieses Buch der Einstieg in die Webseitenerstellung überhaupt darstellt, wollen wir kurz rekapitulieren, welche Schritte, Überlegungen und Werkzeuge zur Erstellung und Veröffentlichung von Webseiten nötig sind.

Da wir uns nicht von irgendwelcher Websoftware abhängig machen wollen, werden wir in diesem Buch alles in Handarbeit machen, was meist bedeutet, dass wir den HTML-Code der Webseiten direkt bearbeiten. Dem Anfänger mag dies auf den ersten Blick vielleicht etwas rückschrittlich und archaisch vorkommen, schließlich gibt es heutzutage genügend leistungsfähige Webeditoren, mit denen man Webseiten aufsetzen kann, ohne dass man auch nur einmal mit HTML, JavaScript oder CGI in Berührung kommt. Das Problem ist nur, dass dieser Form des Webdesigns enge Grenzen gesetzt sind, und der angehende Webautor über kurz oder lang einsehen muss, dass er ohne fundierte Kenntnisse in HTML, JavaScript, etc. nicht weiterkommt. Aus diesem Grunde möchten wir Sie bitten, erst einmal auf die besonderen »Annehmlichkeiten« Ihres Webeditors zu verzichten und den Ausführungen in diesem Buch zu folgen, um zu verstehen, wie die betreffenden Technologien arbeiten und wie sie eingesetzt werden. Danach können Sie selbstverständlich frei entscheiden, ob und inwieweit Sie die spezielle Unterstützung Ihres Webeditors nutzen wollen.

1.1 Idee und Design

Die Entstehung einer Webseite beginnt mit einer Idee. Oft genug ist dies eine nur sehr vage Idee, und der erste Schritt besteht daher üblicherweise darin, die Idee zu konkretisieren - und zwar unter dreierlei Gesichtspunkten:

Keiner dieser drei Aspekte kann isoliert von den anderen betrachtet werden, und alle zusammen bestimmen sie das Design der Webseite, das seinerseits wieder auf Inhalt, Zielsetzung und Technik rückwirkt.

Abbildung 1.1:  Aspekte modernen Webdesigns

Zielsetzung

Die wichtigsten Zielsetzungen für Webseiten sind: Präsentation, Information und Unterhaltung, Kommerz und Kommunikation. Private Homepages dienen beispielsweise üblicherweise der Präsentation ihres Inhabers, Webseiten behördlicher Institute und gemeinnütziger Vereine dienen der Information und Webseiten von Firmen sind typischerweise dazu gedacht, den Umsatz der Firma zu steigern. Webseiten, die hauptsächlich der Kommunikation dienen, gibt es nur wenige. Dafür verfügen praktisch alle Webseiten über das eine oder andere Kommunikationselement (beispielsweise den obligatorischen EMail-Link zum Webseitenbetreiber oder Formulare zum Übersenden von Daten).

Selbstverständlich kann eine Webseite oder ein Web (eine Gruppe zusammengehörender Webseiten, siehe auch Abschnitt 1.2, »Von der Webseite zum Web«) gleichzeitig mehrere Zielsetzungen verfolgen. Kommerzielle Ziele beispielsweise können überhaupt nur in Verbindung mit Präsentation, Information und/oder Kommunikation verwirklicht werden.

Kommerz und Präsentation

Firmen können mit Hilfe eines eigenen Webs ihren Bekanntheitsgrad steigern sowie Kundennähe und Servicefreundlichkeit demonstrieren.

Kommerz und Kommunikation

Firmen, die Produkte erstellen oder mit Produkten handeln, die für den Postversand geeignet sind, werden ihre Webs mit einem elektronischen Bestellsystem ausstatten.

Aber nicht nur Waren, auch Dienstleistungen können übers Internet angeboten werden.

Kommerz und Information

Wer durch Werbung auf seinen Webseiten Geld verdienen möchte, muss kostenfreie Informationen und Dienstleistungen anbieten, die seine Seiten attraktiv machen und viele Besucher anziehen.

Inhalt und Design

Der grundlegende Inhalt einer Webseite (oder eines Webs) wird bereits weitgehend durch ihre Zielsetzung vorgegeben. Eine Firma wird das eigene Web nutzen, um sich selbst zu präsentieren, ihre Produkte (oder Dienstleistungen) vorzustellen und eventuell elektronische Bestellungen anzunehmen. Privatleute nutzen die eigene Homepage meist, um sich selbst darzustellen, ihre Interessengebiete vorzustellen oder das Internet in uneigennütziger (manchmal auch gesponserter) Weise auf irgendeine Weise zu bereichern.

Ist man sich über Inhalt und Zielsetzung im Klaren, beginnt die Design-Phase. Je professioneller die Webseite sein soll, um so mehr Zeit und Arbeit sollte man in das Design stecken. Ein gutes Design verleiht einer Webseite einen unverkennbaren, eigenen Stil, es basiert auf einem klaren Konzept, es ordnet die Elemente der Webseite, es überzeugt den Besucher. Ein Design kann schlicht oder ausgefallen, konservativ oder poppig, sachlich oder verspielt sein. Doch nie darf es der Funktion der Webseite entgegenstehen. Wir werden dazu noch einige Beispiele sehen.

Überhaupt wird uns das Thema Design durch das gesamte Buch hindurch immer wieder beschäftigen. Schließlich wäre es reiz- und sinnlos, würden wir Sie mit den technischen Möglichkeiten des dynamischen Webpublishings vertraut machen, ohne dabei auch das eine oder andere Wort über die sinnvolle Verwendung der betreffenden dynamischen Elemente zu verlieren. Die folgenden, grundlegenden Regeln können Sie sich aber schon einmal einprägen:

Oder um es mit den Worten Shakespeares zu sagen:

Und diese Regeln präg´ in dein Gedächtnis:

Gib den Gedanken, die du hegst, nicht Zunge,

Noch einem ungemäßigten die Tat.

Freundlich sei, doch keineswegs gemein.

...

Die Kleidung kostbar, wie´s dein Beutel kann,

Doch nicht ins Grillenhafte; reich , nicht bunt:

Denn es verkündet oft die Tracht den Mann,

Und die vom ersten Rang und Stand

Sind darin ausgesucht und edler Sitte.

Kein Borger sei und auch Verleiher nicht;

sich und den Freund verliert das Darlehn oft,

Und borgen stumpft der Wirtschaft Spitze ab.

Dies über alles: sei dir selber treu.

Shakespeare, Hamlet

Technische Realisierung

So langsam sollten wir darangehen, unsere Ideen auch umzusetzen.

Das Grundgerüst der Webseiten wird in HTML realisiert. HTML (HyperText Markup Language) ist eine Beschreibungssprache, mit deren Hilfe wir (in gewissen Grenzen) festlegen können, wie unsere Webseiten in den verschiedenen Webbrowsern dargestellt werden sollen. Mehr dazu in den folgenden Kapiteln.

Bilder und grafische Elemente sind für das Design der meisten Webseiten von außerordentlicher Bedeutung. Ohne den Wert des vorliegenden Buches schmälern zu wollen, möchte ich doch anmerken, dass ein interessantes grafisches Design mehr zur Attraktivität eines Webs beitragen kann als die Implementierung eines Gästebuches oder irgendwelcher dynamischer Effekte. Allerdings benötigt man für die Erstellung und Bearbeitung von Bildern, Hintergründen, Grafiken, etc. je nach angestrebtem Perfektionsgrad viel Zeit, grafisches Gespür (oder eine Ausbildung als Grafiker) und entsprechende Software (Programme zur Bildbearbeitung, zum Scannen, zur Erstellung von GIF-Animationen, zur Schriftgenerierung, etc.).

Dynamische Elemente, wie Zugriffszähler, Gästebücher, Formulare, Animationen, Spiele, etc., können mit HTML allein nicht realisiert werden. Sie basieren auf Programmcode, der entweder auf Seiten des Clients (durch Vermittlung des Browsers) oder auf Seiten des Servers (dem Rechner, von dem die Webseiten herstammen) ausgeführt wird. Wie man für Webseiten programmiert und wie man typische dynamische Elemente (beispielsweise Gästebücher) realisiert, ist Thema dieses Buches.

1.2 Aufsetzen des Codes - der HTML-Editor

Die Idee, die hinter der Beispielwebseite aus diesem Kapitel steht, ist ziemlich einfach: Wir brauchen nichts weiter als eine schlichte Webseite zum Testen unserer Entwicklungswerkzeuge und der Server-Verbindung:

Listing 1.1: testseite.html - Unsere HTML-Testseite

<html>
<head>
<title>Testseite</title>
</head>

<body>
<p><b>Hallo</b> von der Testseite !</p>

</body>
</html>

Diese Webseite besteht aus dem (vereinfachten) HTML-Grundgerüst (siehe Kapitel 2), einem Seitentitel, der üblicherweise in den Titelleisten der Browser angezeigt wird, und einem kleinen Begrüßungstext: »Hallo von der Testseite !«. Damit das Wort »Hallo« fett dargestellt wird, haben wir es in die HTML-Tags <b> ... </b> eingeschlossen.

Da der HTML-Code der Webseiten einfacher ASCII-Text ist, braucht man zum Erstellen einer solchen Webseite keine großartigen Hilfsmittel, ein simpler Texteditor (beispielsweise der Notepad-Editor von Windows, Start/Programme/Zubehör/Editor, oder der vi unter Linux) reichen vollkommen aus.

  1. Rufen Sie einen Texteditor auf, der Dateien als reinen ASCII-Text speichern kann.
  2. Tippen Sie den Quellcode aus Listing 1.1 ein.
  3. Speichern Sie die Datei in einem beliebigen Verzeichnis unter dem Namen testseite.html.

Viele Leser haben Probleme beim Abspeichern von Dateien mit dem Notepad-Editor von Windows, weil dieser standardmäßig alle Dateien mit der Extension .txt abspeichert. Um dies zu verhindern, müssen Sie im Dialogfeld Speichern unter als Dateityp den Eintrag Alle Dateien (*.*) auswählen und dann den Dateinamen mit der gewünschten Extension (in unserem Fall also .html) angeben. Ansonsten kann man die Dateiextension aber auch im Windows Explorer korrigieren (Befehl Datei/Umbenennen). Ein anderer Trick ist, den Dateinamen samt Extension in Anführungszeichen einzugeben: »webseite.html«.

Spezielle Webeditoren

Wenn sie auf Ihrem PC einen ordentlich formatierten Brief oder ein Textdokument (beispielsweise ein Buchmanuskript) aufsetzen wollen, benötigen Sie dazu eine spezielle Textverarbeitungssoftware, mit der man Schriftarten auswählen, Text einrücken, Bilder einfügen und andere Dinge machen kann. Wenn Sie eine professionell gestylte Webseite erstellen wollen, brauchen Sie dazu nur einen einfachen ASCII-Texteditor, denn sämtliche Formatierungsbefehle werden als HTML-Code direkt in die Textdatei geschrieben. Dieses Verfahren hat allerdings nicht nur Vorteile, es hat auch Nachteile:

Hier schaffen spezielle Webeditoren wie FrontPage oder DreamWeaver Abhilfe. Mit diesen Editoren arbeiten Sie wie in einem »normalen« Textverarbeitungssystem und der Editor setzt im Hintergrund alle Formatierungen in HTML-Code (den man selbstverständlich auch anschauen und direkt bearbeiten kann). Wir werden in diesem Buch zwar ausschließlich auf HTML-Ebene operieren, doch soll Sie dies nicht davon abhalten, mit Ihrem favorisierten Webtool zu arbeiten. Zumal professionelle Webeditoren meist auch bei der Organisation und Erstellung ganzer Webs helfen.

Von der Webseite zum Web

Der gemeine Web-Neuling, begnügt sich üblicherweise erst einmal damit, eine einfache einzelne Webseite, seine private Homepage, ins Internet zu stellen. Er macht damit das Gleiche, was man auch aus der Entwicklung des menschlichen Fötus kennt: die individuelle Entwicklung (Embryogenese/Webdesign-Ausbildung) vollzieht die historische Entwicklung (Evolution/Design im WWW) nach.

Früher bestanden nämlich fast alle Homepages aus einer einzigen Webseite mit ein wenig Text, dem Konterfei des Inhabers und Links zu anderen Websites im WWW. Eine solche Homepage umfasste zwei Dateien, die HTML-Datei und eine Bilddatei für das Konterfei, die beide in einem Verzeichnis auf dem Webserver untergebracht wurden.

Der nächste Schritt war die Aufteilung des Inhalts auf mehrere Webseiten, die untereinander durch relative Links verbunden waren. Der klassische Aufbau einer solchen Homepage (man spricht in diesem Zusammenhang auch von Webseiten der 2. Generation) sah so aus, dass man auf einer Startseite begrüßt wurde und von dort über relative Links zu den weiteren Seiten des Webs verzweigen konnte (meist waren es drei untergeordnete Seiten: zur Vorstellung der eigenen Hobbys, zur Präsentation der privaten Fotoausstellung und zur Empfehlung von Links zu anderen interessanten Websites). Ein solcher Webauftritt, der aus mehreren zusammengehörenden Webseiten besteht, bezeichnet man als Web. Auf dem Webserver sind alle Dateien des Webs in einem Verzeichnis untergebracht (gegebenenfalls verteilt auf verschiedenen Unterverzeichnisse).

Heute sind viele Webs - private wie firmeneigene - wie Erlebnisparks organisiert: Sie besitzen einen speziellen Eingang, führen den Besucher ausgehend von der Hauptseite über relative Links im Web herum (wobei der Besucher selbst wählen kann, welchen Links er folgen, welche Attraktionen er anschauen möchte) und verabschieden den Besucher mit einer speziellen Seite (die auch schon einmal gleich der Hauptseite sein kann).

Abbildung 1.2:  Generationen des Webdesigns

Je größer ein Web ist und um so mehr Dateien zu dem Web gehören (HTML-Dateien, Bild- und Sounddateien, Skriptdateien, Applets, etc.), um so mehr Gedanken muss man sich um die Einrichtung einer passenden Navigationsstruktur und die Organisation der Dateien auf der Festplatte machen. Professionelle Webeditoren, wie zum Beispiel FrontPage oder Dreamweaver) unterstützen den Webdesigner auch bei dieser Arbeit.

1.3 Webseiten im Browser testen

Kommen wir zurück zu unserer Beispielwebseite, testseite.html, die wir im vorangehenden Abschnitt erstellt haben.

  1. Laden Sie die Webseite in Ihren Browser (beispielsweise den Netscape Navigator oder den Internet Explorer). Wenn auf Ihrem System die Datei-Extension .html mit Ihrem bevorzugten Browser als Standardverarbeitungsprogramm verbunden ist, brauchen Sie die HTML-Datei nur in Ihrem Datei-Manager (Windows Explorer unter Microsoft Windows oder Vorlage unter KDE/LINUX) anzuklicken (einfach oder doppelt). Ansonsten rufen Sie Ihren Browser auf und laden Sie die Datei über den entsprechenden Menübefehl oder durch Eingabe des Verzeichnispfades und des Dateinamens.

    Abbildung 1.3:  Unsere Testseite im Internet Explorer

Im Browser können Sie drei wichtige Dinge testen:

Auf diese Weise können Sie auch verschiedene Bildschirmauflösungen simulieren.

Wenn Sie eine Webseite im Browser begutachten, einen Fehler entdecken, diesen im HTML-Code beheben und dann in den Browser zurückkehren, wo Sie die Webseite neu laden, kann es sein, dass Ihre Korrekturen nicht sichtbar werden, weil der Browser die alte Webseite aus seinem Cache lädt. Um sicherzustellen, dass der Browser die Datei wirklich ganz neu lädt, müssen Sie beim Netscape-Browser die (Shift)-Taste gedrückt halten, während Sie den Befehl zum Neuladen (oder die entsprechende Schaltfläche) drücken, beim Internet Explorer müssen die (Strg)-Taste gedrückt halten, während Sie den Aktualisieren-Schalter drücken.

Doch nicht alle Elemente einer Webseite lassen sich auf diese Weise im Webbrowser überprüfen. Viele dynamische Elemente sind auf serverseitige Unterstützung angewiesen und können im Browser nur dann korrekt angezeigt werden, wenn Sie von einem Server geladen werden. Wenn Sie solche Elemente verwenden wollen, sollten Sie sich zuvor eine Testumgebung einrichten, unter der Sie diese Elemente kontrollieren und begutachten können. Dies führt uns zu Abschnitt 1.4 und der Einrichtung eines lokalen Webservers.

1.4 Testen auf einem lokalen Webserver

Wenn Sie einen eigenen Webserver betreiben, haben Sie natürlich alle Möglichkeiten, Ihre Webseiten und Webs, direkt auf dem Server zu erstellen und auszutesten - auch wenn diese Vorgehensweise aus sicherheitstechnischen Gründen nicht unbedingt zu empfehlen ist. Wenn Sie Ihre Webseiten auf einem privaten Rechner erstellen (oder allgemein irgendeinem Rechner, der nicht der Webserver ist, auf dem die Webseiten später veröffentlicht werden sollen), sollten Sie versuchen, auf diesem Rechner einen lokalen Webserver zu installieren. Zum einem ist die Einrichtung eines lokalen Webservers gar nicht sooo schwierig (auch wenn sie gelegentlich ihre Tücken hat), zum anderen können Sie Ihre Webseiten dann bequem und professionell testen.

Ein Webserver ist ein beliebiger Rechner, auf dem eine spezielle Webserver-Software läuft. Die Webserver-Software ist mit einem bestimmten Port verbunden (meist Port Nummer 80). Alle über diesen Port einkommenden HTTP-Anfragen (Anforderungen von Webseiten, Bilddateien, Applets oder Aufrufe von CGI-Programmen) werden von der Webserver-Software abgefangen und automatisch bearbeitet. Der Unterschied zwischen einem echten Webserver im Internet und einem lokalen Webserver ist letztlich nur der, dass der echte Webserver direkt mit dem Internet verbunden ist und eine entsprechende IP-Adresse besitzt. So können Internet-Teilnehmer aus der ganzen Welt auf ihn zugreifen und die von ihm verwalteten Webseiten anfordern. Der lokale Webserver ist dagegen üblicherweise nicht mit dem Internet verbunden, meist handelt es sich um einen alleinstehenden Rechner. Die Ausführung einer Webserver-Software auf einem solchen Rechner hat - abgesehen vom Austesten der eigenen Webseiten - wenig praktischen Nutzen (es können ja keine Anforderungen von anderen Rechnern eingehen). Als Mittelding zwischen dem echten Internet-Webserver und dem lokalen Webserver gibt es noch Webserver, die in Intranets (lokalen Netzwerken von Firmen, Instituten, etc.) installiert sind, und dort zum Informationsaustausch zwischen den Teilnehmern genutzt werden.

Bezugsquellen für Webserver-Software

Für Webserver-Software muss man nicht unbedingt tief in die Tasche greifen. Bei den meisten Betriebssystemen gehört die Webserver-Software zur Software-Ausstattung - und wenn nicht, so gibt es genügend Webserver, die man sich kostenfrei aus dem Internet herunterladen kann.

Ausführlichere Informationen zu Apache, PWS/IIS und OmniHTTPd finden Sie in Anhang A.

Das Installieren des Webservers

Wie Sie Ihren Webserver installieren müssen, hängt davon ab, für welche Webserver- Software Sie sich entschieden haben, welche Version der Server-Software Sie verwenden und mit welchem Betriebssystem Sie arbeiten. Zu viele Möglichkeiten, um sie alle im Rahmen dieses Buches zu beschreiben. Wir beschränken uns daher in diesem Abschnitt auf einige allgemeinere Anmerkungen, ausführlichere Informationen finden Sie im Anhang A und in der Originaldokumentation zu Ihrem Webserver.

Der Apache-Server unter Linux

Wenn Sie mit Linux arbeiten, prüfen Sie zuerst einmal, ob der Apache-Server nicht vielleicht schon installiert ist. Die Programmdatei des Apache-Servers heißt httpd und kann mit verschiedenen Optionen von der Kommandozeile aus aufgerufen werden. Um zu testen, ob der Apache-Server installiert ist, verwenden wir die Option -v:

> httpd -v

Im Erfolgsfall wird Ihnen daraufhin die Versionsnummer des Servers angezeigt:

Server version: Apache/1.3.12 (unix)  (SuSE/Linux)
Server built: Jul 30 2000 22:47:29

Wenn Sie stattdessen eine Fehlermeldung erhalten, dass der Befehl nicht gefunden werden konnte, muss Sie das nicht gleich entmutigen - eventuell steht httpd nur nicht in Ihrem Pfad. Versuchen Sie es dann mit folgenden Aufrufen:

> /usr/sbin/httpd -v            // bevorzugtes Installationsverzeichnis
// für RedHat und SuSE
> /usr/locale/apache/httpd -v // für Original von www.apache.prg

(Im Zweifelsfall halten Sie mit dem Shell-Befehl find / -name httpd -print nach der httpd-Datei Ausschau.1)

Sollte der Apache-Server nicht installiert sein, schauen Sie nach, ob er zum Lieferumfang Ihrer Linux-Distribution gehört und sich auf den Linux-CDs befindet. Für die meisten Linux-Distributionen (beispielsweise RedHat, SuSE oder Mandrake) gehört der Apache- Server zum Standardumfang.

Schließlich besteht immer die Möglichkeit, sich die aktuelle Version von der originalen Apache-Website (http://www.apache.org) herunterzuladen. Sie müssen sich dann nur entscheiden, welche Version genau Sie verwenden wollen (auf der Website werden auch ältere Versionen angeboten) und ob Sie den Server als Binärdatei oder als Quelltextsammlung herunterladen wollen, und die Installationshinweise auf der Website lesen.

Wenn der Server nicht bereits automatisch beim Booten des Betriebssystems gestartet wird, können Sie ihn jederzeit manuell starten, indem Sie httpd ohne Option aufrufen:

> httpd 

oder je nach Installation mit Pfadangabe:

> /usr/sbin/httpd
> /usr/locale/apache/httpd

Danach können Sie den Webserver testen. Rufen Sie Ihren Webbrowser auf und steuern Sie die Adresse http://localhost (oder http://IhrRechnername) an. Entweder erscheint jetzt die Standardwebseite Ihrer Apache-Installation (üblicherweise ein HTML-Dokument mit Informationen zum Webserver) oder Sie erhalten eine Meldung, dass der Webserver aus irgendeinem Grunde nicht kontaktiert werden konnte.

Der Apache-Server unter Windows

Mittlerweile gibt es auch eine Windows-Version des Apache-Servers. Das ist zweifelsohne eine ausgesprochen gute Nachricht, denn der Apache-Server ist sicherlich einer der bedeutendsten Webserver überhaupt, und die Portierung dieses kostenlosen, professionellen Tools auf die Windows-Plattform ist ohne Einschränkung zu begrüßen. Der einzige Wermutstropfen dabei ist, dass es augenblicklich (das heißt, zu der Zeit, da dieses Buch entstanden ist) noch keine vollkommen ausgereifte, stabile Version gibt. Vielleicht hat sich dies bis zum Erscheinen dieses Buches geändert, vielleicht auch nicht. Wie auch immer, wenn Sie Interesse an der Windows-Version des Apache-Servers haben, steuern Sie die Apache-Website an (http://www.apache.org), lesen Sie dort die aktuellen Informationen zur Windows-Version und laden Sie sich gegebenenfalls den Server und die Installationshinweise herunter.

Der PWS und der IIS

Die Standard-Webserver für die Windows-Plattformen, der Personal Webserver (PWS) und der Internet Information Server (IIS), werden zumeist direkt mit dem Betriebssystem ausgeliefert.

Welchen Server man nutzen kann und wie dieser zu installieren ist, hängt dabei von der Betriebssystem-Version ab: Windows 95 oder Windows 98, Windows NT 4.0 oder Windows 2000, Workstation- oder Server-Version. Je nach Betriebssystem wird der Webserver entweder zusammen mit dem Betriebssystem installiert, kann von der Windows- CD nachinstalliert werden oder ist im Option Pack enthalten, das wir zuletzt unter http://www.microsoft.com/ntserver/nts/downloads/Recommended/NT4OptPk beziehungsweise http://www.microsoft.com/msdownload/ntoptionpack/askwiz.asp) gefunden haben (siehe auch Anhang A).

Der Betrieb eines lokalen Webservers erfordert, dass das TCP/IP-Protokoll installiert ist. Für Anwender von Windows 95/98 oder Windows NT 4.0 Workstation bedeutet dies, dass Sie den Rechner gegebenenfalls eigenhändig als Client-Rechner konfigurieren müssen. Rufen Sie dazu Start/Einstellungen/Systemsteuerung/Netzwerk auf und fügen Sie - falls nicht schon geschehen - über den Schalter Hinzufügen die Netzwerkkomponenten Client für Microsoft-Netzwerke und TCP/IP-Protokoll hinzu.

Der PWS und der IIS werden üblicherweise automatisch gestartet und erscheinen beim Programmstart als Symbol in der Taskleiste. Über das Kontextmenü des Symbols kann der Webserver angehalten und weiter ausgeführt werden kann.

Zum Testen des Webservers rufen Sie Ihren Webbrowser auf und steuern die Adresse http://localhost (oder http://IhrRechnername) an. Entweder erscheint jetzt die Standardwebseite Ihres Servers (üblicherweise ein HTML-Dokument mit Informationen zum Webserver) oder Sie erhalten eine Meldung, dass der Webserver aus irgendeinem Grunde nicht kontaktiert werden konnte.

Der OmniHTTPd-Server

Nachdem Sie die EXE-Datei des OmniHTTPd-Webservers auf Ihre Festplatte heruntergeladen haben, brauchen Sie diese nur doppelt anzuklicken, um den Installationsvorgang zu starten. Folgen Sie den Anweisungen in den Dialogfeldern und richten Sie den Server so ein, dass er bei beim Booten automatisch geladen wird.

Läuft der Server erscheint in der Windows-Taskleiste ein entsprechendes Symbol für den Server. Läuft der Server nicht, kann er über seine Programmgruppe (Aufruf über Start/ Programme) gestartet werden.

Zum Testen des Webservers rufen Sie Ihren Webbrowser auf und steuern Sie die Adresse http://localhost (oder http://IhrRechnername) an. Entweder erscheint jetzt die Standardwebseite Ihres Servers (ein HTML-Dokument mit Informationen zum Webserver) oder Sie erhalten eine Meldung, dass der Webserver aus irgendeinem Grunde nicht kontaktiert werden konnte.

Sie können keine zwei Webserver gleichzeitig ausführen, wenn diese den gleichen Port (für Webseiten üblicherweise 80) überwachen. Wenn Sie also beispielsweise den OmniHTTPd-Server verwenden wollen, achten Sie darauf, dass Sie nicht bereits zuvor schon einmal den PWS oder IIS installiert haben und dieser ebenfalls automatisch beim Booten gestartet wird.

Das Einrichten von Webs/Webseiten unter dem Webserver

Der nächste Schritt ist, dass wir unsere Testdatei auf den Webserver »hochladen« und mit dem Browser vom Webserver abrufen (das heißt, wir geben im Adressfeld des Browsers nicht mehr den Dateipfad zu der Webseite, sondern ihren URL an).

Das »Hochladen« auf unseren lokalen Webserver gestaltet sich denkbar einfach. Wir müssen die Datei nur in eines der vom Webserver verwalteten Verzeichnisse zu kopieren. Wo aber liegen diese Verzeichnisse?

Bei der Installation des Webservers wurde für diesen auf Ihrer Festplatte ein eigenes Verzeichnis eingerichtet und fest mit dem Servernamen verbunden. Dieses Verzeichnis ist das Wurzelverzeichnis für alle Webseiten und Webs, die auf dem Webserver veröffentlicht werden - das sogenannte Dokumentenverzeichnis. Anders ausgedrückt, wenn Sie eine Webseite auf Ihren lokalen Webserver »hochladen« wollen, kopieren Sie die Seite einfach in das Dokumentenverzeichnis. (Oder organisieren Sie Ihre Webseiten, indem Sie unter dem Dokumentenverzeichnis Unterverzeichnisse anlegen, auf die Sie Ihre Webseiten verteilen. Üblicherweise legt man für jedes Web ein eigenes Unterverzeichnis an, dass je nach Strukturierung des Webs selbstverständlich auch wieder Unterverzeichnisse enthalten kann.) Jetzt müssen Sie nur noch in Erfahrung bringen, wie das Dokumentenverzeichnis Ihres lokalen Webservers heißt.

Die in diesem Abschnitt angegebenen Pfadangaben sind Standardwerte, die bei der Installation verändert werden können. Es ist also durchaus möglich, dass auf Ihrem Rechner abweichende Pfade und Verzeichnisse verwendet werden.

Speichern oder kopieren Sie jetzt die in Abschnitt 1.2 erstellte Test-Webseite in das Dokumentenverzeichnis Ihres Servers (unter Linux benötigen Sie dazu entsprechende Schreibrechte, also eventuell als root einloggen) und laden Sie sie über einen Webbrowser (Internet Explorer oder Netscape Navigator). Geben Sie dabei als Adresse (URL) nicht das Dokumentenverzeichnis an, sondern den Namen des Webservers, gefolgt vom Namen der Datei.

Wenn Sie die Webseite testseite.html genannt und direkt im Dokumentenverzeichnis Ihres lokalen Webservers gespeichert haben, verwenden Sie als URL: http://localhost/ testseite.html.

Wenn Sie unter dem Dokumentenverzeichnis des Webservers extra ein Unterverzeichnis test angelegt und die Test-Webseite in diesem abgespeichert haben, schreiben Sie: http:// localhost/test/testseite.html.

Wenn Ihr lokaler Rechner einen eigenen Namen hat, können Sie auch diesen verwenden: http://localhost/testseite.html oder http://localhost/test/testseite.html.

Abbildung 1.4:  Anfordern der Testseite vom lokalen Webserver

1.5 Der Schritt in die Öffentlichkeit - das Hochladen auf den Internet-Webserver

Hat man die eigene Webseite (oder das eigene Web) fertig gestellt und auf Herz und Nieren geprüft, besteht der letzte Schritt darin, die Webseite (das Web) zu veröffentlichen, indem man es auf einen Internet-Webserver hochlädt. Wenn Sie selbst einen Webserver im Internet betreiben, werden Sie damit wohl keine Probleme haben. Glücklich auch, wer in einer Firma arbeitet und seine Webseiten über den Webserver des firmeneigenen Intranets verbreiten will, er oder sie muss sich nur vertrauensvoll an den zuständigen System- oder Serveradministrator wenden (Pech allerdings, wenn sich in Ihrer Firma für solche Aufgaben niemand zuständig fühlt. Gehen Sie in einem solchen Fall unbedingt mit Diskretion und Geschick an die Sache, sonst spricht sich schnell herum, dass Sie sich ja mit der Verwaltung des Webservers bereits bestens auskennen, und Sie werden, ohne dass Sie sich wehren können, zum ehrenamtlichen Serveradministrator ernannt)

Schließlich bleibt die Möglichkeit, dass Sie Kunde bei einem kommerziellen Internet- Provider sind, und Ihre Webseiten über dessen Webserver veröffentlichen (in einen eigenen Unterverzeichnis des Servers oder auch unter einem eigenen Domänennamen, siehe nächster Abschnitt). Dazu benötigen Sie

Wenn Sie Mitglied bei T-Online, CompuServe oder einem anderen großen Internet-Provider sind, halten Sie am besten zuerst einmal auf der Website Ihres Providers nach Unterstützung und Informationen zum Thema »Private Homepages« Ausschau. Für T-Online derzeit unter Service/Web-Präsenz/mehr Info (zu Private Homepage bei T-Online) = http://www.t-online.de/service/index/wphsvxaa.htm; für CompuServe derzeit unter Mitglieder/Ourworld/Eigene Homepage = http://www.compuserve.de/mitglieder/ourworld/eigenehomepage/start.jsp; für AOL derzeit unter Keyword HOMETOWN = htp://hometown.aol.de)

Anhand von WS_FTP (http://www.ipswitch.com/) möchte ich Ihnen kurz die Dateiübertragung mit einem FTP-Programm vorstellen.

Nach dem Starten von WS_FTP sehen Sie ein zweigeteiltes Fenster. Links werden die Verzeichnisse Ihres lokalen Systems angezeigt, rechts die Verzeichnisse des entfernten Webservers (sobald wir uns auf diesem eingeloggt haben).

  1. Klicken Sie im linken Teil auf den Schalter ChgDir und wechseln Sie zu dem Wurzelverzeichnis des hochzuladenden Webs (bzw. des Verzeichnisses, in dem die hochzuladenden Dateien stehen).

    Abbildung 1.5:  Verbindungsdaten eingeben

  2. Klicken Sie auf den Schalter Connect. In dem erscheinenden Dialogfenster geben Sie auf der Registerkarte General einen frei wählbaren Namen für die herzustellende Verbindung (Profil), die Adresse des FTP-Servers, auf den Sie die Daten hochladen wollen, sowie den Benutzernamen und das Passwort, die Sie von Ihrem Webserver- Provider zugeteilt bekommen haben, ein. Drücken Sie noch nicht auf OK!
  3. Stellen Sie jetzt eine Internetverbindung her (Anwahl über Modem, etc.)
  4. Drücken Sie jetzt im Dialogfenster von WS_FTP auf OK, um sich auf dem Rechner Ihres Webserver-Providers einzuloggen.

    Abbildung 1.6:  Die Verbindung zum Webserver wurde hergestellt

  5. Klicken Sie im rechten Teil auf den Schalter ChgDir und wechseln Sie zu dem Verzeichnis in das Sie Ihre Webdateien hochladen wollen (unter Umständen beim Webserver-Provider zu erfragen).
  6. Markieren Sie im linken Fenster die Dateien und Unterverzeichnisse, die Sie hochladen wollen (Mehrfachauswahl ist bei gedrückter (Strg)- oder (Shift)-Taste möglich).
  7. Drücken Sie auf den Pfeil-Schalter von WS_FTP, um die Dateien auf den Webserver zu übertragen.
  8. Beenden Sie die Verbindung.

1.6 Die richtige Wahl des Internet Service Providers

Um Ihre Webseiten im Internet zu publizieren, müssen Sie die Dateien auf einen Rechner kopieren, auf dem sie rund um die Uhr den ganzen Tag erreichbar sind. Diese Dienstleistung und den nötigen Festplattenplatz bieten so genannte Internet Service Provider an.

Die Qual der Wahl

Wie bei allen Sachen dieser Welt gibt es auch bei den Service Providern qualitative Unterschiede. Das beginnt bei Providern, die den gesamten Service für Sie kostenlos anbieten. Die Rechnung zahlt dann der Besucher, der Ihre Website ansteuert und dort mit fremder Werbung berieselt wird. Das ist bei einer privaten Homepage für den Besucher schon eine Zumutung, für einen professionellen Unternehmensauftritt aber völlig ungeeignet. Je mehr Service und Dienstleistungen (wie etwa eine Datenbank) benötigt werden, um so höher wird der meist monatlich zu bezahlende Preis. Preisvergleiche lohnen sich, aber denken Sie daran, dass es Qualität nicht umsonst gibt.

Achten Sie auch darauf, dass der Provider Ihnen eine Zugriffsstatistik zur Verfügung stellt, aus der Sie entnehmen können, wie oft Ihre Seiten aufgerufen werden.

Vom Unterverzeichnis zur eigenen Domain - der Name Ihrer Website

Die Provider stellen natürlich nicht für jeden Kunden einen eigenen Rechner auf. Dann wäre das Angebot viel zu teuer. Ihre Website wird vielmehr als Unterverzeichnis oder virtueller Webserver auf einem Rechner installiert, wo noch viele andere Kunden ihre Daten und HTML-Seiten ablegen. Erst dadurch kommt ein recht geringer Preis für diese Dienstleistung zustande. (Um so mehr Kunden ein Provider hat, um so günstiger ist meist der Preis; aber um so mehr Kunden teilen Sie sich dann auch die Leistung des Rechners, der diese Websites abarbeiten muss.)

Wie können Websurfer Ihre Webseiten aufrufen?

Damit Ihre Webseiten im Internet aufgerufen werden können, müssen sie über einen eindeutigen Namen verfügen. Dieser Name, der weltweit einmalig ist und auch URL genannt wird, gliedert sich in zwei Bestandteile. Als Beispiel soll uns die fiktive Adresse: www.marktundtechnik.de/user/index.html dienen.

Wird nur ein Rechnername, gegebenenfalls mit Verzeichnispfad aber ohne Dateiname angegeben, sucht der Webserver in dem betreffenden Verzeichnis nach einer Datei, die einen für den Server spezifischen Dateinamen trägt - meist index.html oder index.htm. Deshalb reicht auch die Angabe http://www.marktundtechnik.de/user/, um die Seite index.html aus dem Verzeichnis http://www.marktundtechnik.de/user/ aufzurufen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Service Provider nach dem oder den Standardnamen des Servers und speichern Sie Ihre Eintritts- oder zentrale Webseite unter diesem Namen.

Die einfachste und meist auch kostenlose Möglichkeit ist, bei einem Provider unter einem eigenen Verzeichnis gefunden zu werden. Das ist zum Beispiel bei T-Online möglich. Dort lautet der Name Ihrer Website dann: home.t-online.de/home/username/ - sofern der Name Ihrer Startseite index.html ist. (Ansonsten muss man den Namen explizit im URL mit angeben.)

Die nächste Stufe ist ein eigener Domainname unterhalb (von rechts nach links gelesen) des Namen des Providers. Dann würde Ihre Website zum Beispiel unter der fiktiven Adresse: www.ihrname.providername.de gefunden werden.

Die meisten Webserver sind heutzutage in der Lage, sogenannte virtuelle Domains bereitzustellen. Dazu werden der Webserver und der Rechner so konfiguriert, dass Anfragen zu den verschiedenen Domains auf jeweils eigene Verzeichnispfade abgebildet werden. Das ist für Sie als Anwender normalerweise völlig transparent. Sie sind dann einer von vielen Kunden eines Providers, die auf einem Rechner ihre Dateien ablegen.

Für professionelle Anwender ist ein markanter eigener Name für das Webangebot unerlässlich. Zum einen aus Imagegründen, zum anderen, um zu gewährleisten, dass Interessenten und Kunden die Website der Firma über den Firmennamen finden können (wenn die Website unter dem Namen www.firmenname abgelegt ist). Ein weiterer Vorteil ist, dass man im Falle eines eigenen Domainnamens bei Bedarf den Provider wechseln kann, ohne dass es die Besucher der Website bemerken.

Rechtliche Aspekte bei Wahl eines Domainnamens

Mit den eigenen Domainnamen sollten wir uns noch ein wenig intensiver beschäftigen.

Der Name untergliedert sich in eine Top-Level-Domain (.de) und eine Second-Level- Domain (firmenname).

Die Top-Level-Domain .de ist das internationale Kürzel im Internet für Deutschland. Jedes Land dieser Erde hat ein eigenes zweibuchstabiges Kürzel. In jedem Land werden die darunter liegenden Second-Level-Domainnamen (von rechts nach links betrachtet) selbstständig verwaltet. In Deutschland ist das DeNIC (Deutsches Network Information Center, www.denic.de) in Frankfurt dafür zuständig, eine bundesweite Datenbank mit diesen Informationen zu betreiben. Da eine Internetadresse eindeutig sein muss, kann also ein Name unterhalb von .de nur ein einziges Mal vergeben werden. Da immer mehr auch finanzielle Interessen hinter einem Webangebot stehen, sind attraktive Adressen sehr begehrt. Deshalb ist die Namensvergabe im Internet immer häufiger auch Streitpunkt vor Gericht. In den letzten Jahren war die Rechtssprechung in diesem Bereich recht uneinheitlich, da sich auch Richter und Anwälte in diesem neuen Bereich erst einarbeiten mussten und noch keine Präzedenzurteile vorlagen. Aufgrund der sehr langen Dauer von Gerichtsverfahren in Deutschland liegen erst seit kurzer Zeit Gerichtsurteile vor, die auch Rechtsgültigkeit haben Viele Entscheidungen wurden zuvor vorläufig per einstweiliger Verfügung entschieden.

Auf jeden Fall kommen die markenrechtlichen Regeln bei den richterlichen Entscheidungen zur Anwendung. Wenn Sie sich also einen Namen für Ihre Website ausdenken, müssen Sie darauf achten, nicht die Rechte Dritter zu verletzten. Sonst droht Ihnen irgendwann eine einstweilige Verfügung, womit Sie den von Ihnen gewählten Namen wieder abgeben müssen. Und wenn Sie dann schon viel Geld in Visitenkarte und Briefkopf mit Ihrem Websitenamen investiert haben, ist das sehr ärgerlich. Das kann Ihnen übrigens auch dann passieren, wenn der Eintrag auf Markenschutz erst nach Ihrer Wahl des Domainnamens und Betrieb Ihrer Website stattfindet. In dieser Hinsicht gilt bei den deutschen Richtern kein: »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.«

Es gibt auch kuriose Fälle, wo geklagt wird, weil sich ein Domainname nur mit einem Buchstaben von seinem eigenen, geschützten Namen unterscheidet. Der Kläger befürchtete eine Verwechselungsgefahr. Allerdings sind solche Dinge momentan noch nicht letztinstanzlich geklärt.

Schließlich hat man die Möglichkeit, sich mit jemandem, der unter gleichem Namen erreichbar sein möchte, zu einigen. Dann wird eine gemeinsame Startseite ins Netz gestellt, von wo aus der Besucher auf das jeweilige Angebot verwiesen wird (siehe zum Beispiel http://www.winterthur.ch).

Bei der Wahl des Namens müssen Sie beachten, dass Sie keine deutschen Umlaute verwenden dürfen und als einziges Sonderzeichen der Bindestrich - zulässig ist. Auch Leerzeichen sind nicht erlaubt (www.bär gmbh.de ist also nicht möglich). Die Länge des Namens darf maximal 256 Buchstaben betragen.

Wenn Sie dies alles geklärt haben, können Sie sich entweder persönlich an einen Provider bei Ihnen vor Ort wenden und ein Angebot machen lassen, wie hoch bei ihm einmalige Einrichtungskosten und laufende monatliche Kosten für den Betrieb Ihres virtuellen Webservers sind; oder Sie wenden sich an die bundesweit agierenden Provider, die meist nur über das Internet erreichbar sind.

Der Provider sorgt dann auch dafür, das Ihr gewünschter Domainname in die Datenbank des DeNIC eingetragen wird. Darum müssen Sie sich also selbst nicht kümmern.

Bei größeren professionellen Auftritten sollte man schon bei Beginn der Planung das Gespräch mit einem Provider suchen. Dieser kann Ihnen dann Tipps und Hinweise geben, was bei der Umsetzung eines Internetauftritts vom Papier in den Rechner alles beachtet werden muss.

1.7 Zusammenfassung

Heute war ein Tag zum Kennenlernen. Wir haben ein wenig über Webdesign geplaudert und uns die verschiedenen Werkzeuge angeschaut, die wir für die Erstellung von Webseiten und Webs benötigen:

Ausgelassen haben wir lediglich die Beschreibung spezieller Software zur Erstellung multimedialer Inhalte (Hintergründe, Grafiken, Diagramme, Videos, Sounddateien, etc.). In den nachfolgenden Kapiteln werden wir noch Gelegenheit haben, auch auf diese Werkzeuge ein wenig einzugehen.

1.8 Fragen und Antworten

Frage:
Kann ich meine Webseiten auch in Word aufsetzen?

Antwort:
Ja und nein! Was natürlich nicht geht, ist den Text einer Webseite in Word aufzusetzen, das Ergebnis als DOC-Datei zu speichern und dann im Windows Explorer die Dateiendung in .html zu ändern und zu glauben, man hätte auf diese Weise eine HTML-Webseite gezaubert. (Laden Sie das Ergebnis doch mal in den Notepad-Editor und schauen Sie sich an, wie eine solche Seite aus Sicht des Webbrowsers aussieht!)

Antwort:
Was Sie machen können, ist den in Word aufgesetzten Text explizit als ASCII- Text abzuspeichern (Dateityp »Nur Text (*.txt)« im Speichern unter- Dialog). Allerdings gehen dabei etliche Formatierungen (unter anderem Listen und Tabellen) verloren. Eine bessere Alternative ist es, den Text als HTML-Datei abzuspeichern. Word 2000 ist darin ziemlich perfekt, so dass die Word- Formatierungen nahezu 1:1 in HTML konvertiert werden (Menübefehl Datei/ Als Webseite speichern).

Frage:
Soll ich mir einen professionellen Webeditor kaufen? Wenn ja, welchen?

Antwort:
Tja, da ist nur schwer zu raten. Um mit diesem Buch arbeiten und ansprechende Webseiten erstellen zu können, brauchen Sie jedenfalls keine aufwendige und teure Software. Ein einfacher Texteditor, ein kostenlos verfügbarer Webserver, FTP-Software zum Hochladen Ihres Webs und ein leistungsfähiges Shareware- Programm zur Erstellung und Aufbereitung von Grafiken (beispielsweise Paint Shop Pro, das der Buch-CD beiliegt) reichen vollkommen aus.

Antwort:
Wer professionell in die Erstellung von Webseiten einsteigen will, der sollte sich nach einem speziellen HTML-Editor und geeigneter Grafiksoftware umsehen.

Antwort:
Für den semiprofessionellen Bereich ist beispielsweise Microsoft FrontPage interessant. Es verfügt über einen sehr guten HTML-Editor und einer integrierter Webseitenverwaltung. Daneben gibt es viele vorgefertigte Design-Elemente, die vor allem für weniger erfahrene Webdesigner ohne Programmierkenntnisse interessant sind. Je nach Edition wird Microsoft FrontPage zusammen mit der Bildbearbeitungssoftware Image Composer vertrieben.

Antwort:
Ebenfalls sehr beliebt ist die DreamWeaver-Software von Macromedia
(www.macromedia.com)

Antwort:
Für den High-End-Bereich könnte man sich auch eine Lösung aus kostengünstigem, weil kostenlosem, HTML-Editor (beispielsweise der HTML-Kit, den man von www.chami.com/html-kit herunterladen kann) und einem professionellen Grafikprogramm wie dem Adobe Photoshop vorstellen.

Frage:
Ich habe Probleme mit der Installation eines lokalen Webservers. Wo finde ich Hilfe?

Antwort:
Wenn Ihnen die Ausführungen in diesem Kapitel nicht genügen, schauen Sie doch einmal in Anhang A hinein. Sollten Sie auch dort keine Hinweise finden, die Ihnen weiterhelfen, schlagen Sie in der Dokumentation zu der Webserver- Software nach oder wenden Sie sich an den Hersteller der Webserver-Software (im Zweifelsfall immer erst mal im Internet auf den Websites der Firmen nachschauen).

1.9 Workshop

Der Workshop enthält Quizfragen, die Ihnen helfen sollen, Ihr Wissen zu festigen, und Übungen, die Sie anregen sollen, das eben Gelernte umzusetzen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Versuchen Sie, das Quiz und die Übungen zu beantworten und zu verstehen, bevor Sie zur Lektion des nächsten Tages übergehen.

Quiz

  1. Was hatte Shakespeare im Sinn als er Polonius zu seinem nach Frankreich reisenden Sohn Laertes sagen ließ:
  1. Warum sollte man seine Webseiten stets in mehreren Webbrowsern austesten?

Übungen

Heute gibt es im Grunde nichts zum Üben. Aber vielleicht waren Sie beim Durcharbeiten dieses Kapitels ein wenig träge oder saßen gerade nicht an Ihrem Rechner. Dann wäre jetzt vielleicht eine gute Gelegenheit, die folgenden Übungen nachzuholen.

  1. Installieren Sie auf Ihrem System einen lokalen Webserver (sofern nicht schon vorhanden).
  2. Probieren Sie, eine selbst erstellte Test-Webseite auf Ihrem lokalen Webserver zu installieren und mit einem Browser von dort zu laden.
  3. Falls Sie noch nie Webseiten im Internet veröffentlicht haben, setzen Sie sich mit Ihrem Internet Provider in Verbindung, klären Sie, wie Sie Webseiten auf seinen Webserver hochladen können und versuchen Sie, Ihre erste Webseite ins Internet zu stellen.



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